Autoritäre Erzählungen – und die, die sie mittragen
Autoritäre Politik lebt von Geschichten, die stärker hängen bleiben als Fakten. Und deswegen ist nicht nur Trump oder die AfD gefährlich, sondern vor allem ihre Mitläufer.
Autoritäre Politik lebt von Geschichten, die stärker hängen bleiben als Fakten. Sie knüpft an Gefühle wie Angst, Wut und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit an – und übertönt damit das, was sich tatsächlich nachprüfen lässt.
Ein aktuelles Beispiel ist die ICE-Tötung in Minneapolis. Trumps Version der Ereignisse – die Erzählung vom tapferen Beamten, der sich gegen eine Bedrohung wehren musste – wird in seinem Lager eher geglaubt als das, was auf den Videoaufnahmen zu sehen ist und was unabhängige Recherchen nahelegen. Genau darin zeigt sich das autoritäre Drehbuch: Nicht die Realität ist entscheidend, sondern die Geschichte, die Macht schützt und Feindbilder stabilisiert.
Entscheidend ist aber: Diese Geschichten funktionieren nur, wenn genug Menschen sie mittragen.
Darum stellt sich die Frage: Wer macht da mit – und warum? Republikanische Politiker*innen, die aus Angst um ihre Karriere schweigen oder aus Opportunismus Trumps Deutungen übernehmen. Wähler*innen, die sich nach Zugehörigkeit sehnen, nach dem Gefühl, endlich wieder auf der „stärkeren Seite“ zu stehen. Menschen, die spüren, dass etwas nicht stimmt, aber nicht den Mut haben, als Einzige:r Nein zu sagen.
Genau diese Mitläufer – die Wegseher, Relativierer und Verteidiger – machen autoritäre Storys so gefährlich. Sie sorgen dafür, dass aus einer politischen Erzählung gesellschaftliche Realität wird: in Behörden, Medien, Parteien und am Küchentisch.
Auch das Drehbuch der AfD folgt diesem Muster. Wahrheiten werden verzerrt, Statistiken selektiv oder manipulativ eingesetzt, komplexe Krisen auf einfache Schuldige reduziert – Migrant*innen, »die da oben«, »die Medien«.
Entscheidend ist nicht, ob diese Narrative stimmen, sondern ob sich genug Menschen finden, die sagen: »Wird schon was dran sein« – und damit Schritt für Schritt verschieben, was in einer Demokratie sag- und machbar ist.
Das beste Mittel gegen Mitläufer ist deshalb kein abstrakter Appell zur „Mitte“, sondern konkrete politische Aufklärung, ermutigende Gegenrede und eine Zivilgesellschaft, die sichtbar bleibt und sich nicht einschüchtern lässt. Es geht darum, für etwas zu sein – für gleiche Rechte, für eine verlässliche öffentliche Infrastruktur, für Sicherheit ohne Rassismus – und nicht nur reflexhaft gegen die Autoritären.
Denn Demokrat:innen haben Visionen: von einer Gesellschaft, in der Sicherheit nicht auf Ausgrenzung basiert und Würde nicht von Herkunft abhängt. Autoritäre Kräfte haben vor allem Angstgeschichten – und sie sind nur so stark, wie wir bereit sind, sie mitzutragen.





Ein so einfacher wie grundlegender Gedanke: Wer erzählt die "bessere" Geschichte? Demokratische Visionen sind echt sehr nötig! Danke für diesen Impuls!